Zeitungsartikel Südkurier Friedrichshafen vom 18.05.2002

Abenteuer in Farbe und Form

Renate Dullenkopf-Huber präsentiert Acryl-Arbeiten in der Montfort-Galerie in Kippenhausen

Kann Malerei ein Abenteuer sein? Renate Dullenkopf-Huber meint: ja, und sie verweist auf eigene Erfahrungen. Sie genießt den spannungsgeladenen Entstehungsprozess jedes Bildes. Und, obgleich schon beim ersten Pinselstrich eine konkrete Vorstellung vom fertigen Bild existiert, bleibt es doch abenteuerlich, zu sehen, wie sich ein neues Kunstwerk entwickelt. „Abenteuer in Form und Farbe“ nennt die Markdorferin daher ihre erste Ausstellung in der Montfort-Galerie in Kippenhausen. 

Sie malt mit Acryl auf Farbe und Papier. Rot ist der Magnet in ihren Bildern. Rot, das ausdrucksvoll zusammengestellt mit Gelbtönen. Die Künstlerin selbst interpretiert diesen kraftvollen Duktus als Reflexion ihrer Gefühle. Es müssen starke Gefühle sein, große Leidenschaften und intensive Stimmungen, die die gestaltende Hand führen. 

Da ziehen glutrote Wellenwirbel die Blicke tief ins hoffnungsvoll strahlende Zentrum. Das Gegenstück zum Schwarzen Loch. Daneben der Urknall. Die Geburt der Farben. In winzigen Fragmenten treiben sie auseinander. Hochexpressive und freizügig gelebte Farbigkeit überträgt sich auf den Betrachter. Abstrakte Flächen überlagern sich, suchen ihre eigene Harmonie zwischen hart kontrastierendem Vorder- und Hintergrund. 

Dem weiten Feld der Abstraktion stemmen sich streng geometrische Fantasien entgegen. Kunstvoll filigrane Muster aus Linien, die durch ihre wechselnde Farbgebung eine fast dreidimensionale Tiefenwirkung erzielen. Die Tiefenwirkung steigert sich bei Verändern der Betrachterperspektive. Von links erscheinen die Linienmuster anders als von rechts oder von vorne. Ähnlich einem Interferenzmuster glaubt man, die Linien würden sich verdrehen. 60 Stunden arbeitet die gebürtige Biberacherin an einer solchen räumlichen Illusion. 

Als technische Zeichnerin hat sie eine ausgeprägte Vorstellungskraft. Perspektivische Darstellungen und räumliches Denken sind ihr Handwerk. Dennoch: künstlerisch ist sie autodidaktische Amateurin. Was an Kunstverständnis nötig war, hat sie sich angelesen. Von weiterbildenden Kursen will sie vorerst nichts wissen: „Erst einmal sehen was noch alles in mir steckt, bevor ich mich von Fachleuten umformen lasse. Das kommt später einmal – vielleicht.“ 

Neben den geometrischen Grundmustern und deren unendlichen Variationsmöglichkeiten liebt die Malerin gelegentliche Sidesteps in den Realismus. Da kommen Katzen ins Bild, Blütenarrangements oder Kindermotive. Erste Besucherreaktionen bei der Vernissage am Mittwochabend zeugen von hoher Anerkennung für das Schaffen. 

PETER MÖBIUS

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